
Dieser Beitrag erschien am 15.3.2008 auf Gegen den Strom auf blog.de. Da ich Grund zur Annahme habe, daß mein Blog dort kurz vor der Löschung steht, transferiere ich alle Beiträge hierher.
Im Iran wird gerade ein neus Parlament “gewählt”. 1700 potentielle Kandidaten wurden vom Islamischen Wächterrat von den Wahlen ausgeschlossen. Grund: mangelnde Loyalität gegenüber dem Islam im allgemeinen und der Islamischen Revolution im speziellen. Das hinderte Vertreter des Mullah-Regimes aber nicht daran, die neue Charta der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) zu unterzeichnen. Der Westen berichtet:
Die neue Charta bezieht sich erstmals ausdrücklich auf die Menschenrechte. Sie fordert, dass sich die Mitglieder im eigenen Land und international für «Demokratie, Menschenrechte, die grundlegenden Freiheiten, den Rechtsstaat sowie für verantwortungsbewusste Regierungsführung» einsetzen.
Vermutlich bezieht sich diese Charta hauptsächlich auf den Gummibegriff “verantwortungsbewußte Regierungsführung”. Denn der Iran befindet sich in illustrer Gesellschaft, wie n-tv gestern am Beispiel Saudi-Arabien zeigte:
Fuad al-Farhan (32) aus Saudi-Arabien sitzt seit dem 10. Dezember 2007 ohne Anklage hinter Gittern. Der Besitzer einer kleinen IT-Firma in der Hafenstadt Dschidda vermutet, dass er wegen seiner Kommentare über politische Gefangene in Saudi-Arabien inhaftiert wurde. Doch auch eine von Al-Farhan kurz vor seiner der Verhaftung veröffentlichte Liste “Die zehn prominentesten saudischen Persönlichkeiten, die ich nicht mag und nicht treffen will”, auf der unter anderem der Milliardär Prinz Walid bin Talal und einflussreiche Islam-Gelehrte vertreten sind, war für saudische Verhältnisse schon recht gewagt.
Die Liste ist beliebig erweiterbar, selbst in der Türkei, einem der säkulärsten Länder der islamischen Welt, sind elementare Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung, wie Amnesty International herausgefunden hat:
Nach wie vor wurde mit strafrechtlichen Schritten gegen Menschen vorgegangen, die in friedlicher Weise von ihrem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch gemacht hatten.
Am wahrscheinlichsten wird aber die Verwendung dieser Charta als Feigenblatt sein. Islamophile Organisationen werden sich mit Genuß auf diese leeren Worthülsen stürzen und damit die Taqiya unterstützen.
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