
Dieser Beitrag erschien am 13.3.2008 auf Gegen den Strom auf blog.de. Da ich Grund zur Annahme habe, daß mein Blog dort kurz vor der Löschung steht, transferiere ich alle Beiträge hierher.
Da am gestrigen letzten Verhandlungstag des Wiener Terrorprozesses Mißhandlunsvorwürfe und Randale seitens der Angeklagten am Programm standen, hier ein Bericht des österreichischen Bloggers Manfred Kainz, dessen Verlobte in der Türkei willkürlich inhaftiert war. Alleine schon der Haftgrund ist mehr als dubios:
Meine Verlobte landete in Antalya, Türkei, 6 Wochen in U-Haft, weil sie von einem Schotterparkplatz eine faustgrossen Stein mitnahm, den der Flughafenzöllner für “antik” einstufte und die diensthabende Staatsanwältin ein Exempel statuieren wollte. Haftgrund: “Fluchtgefahr und Bandenbildung” (kein Scherz).
Noch ein Highlight:
Prozessbeginn: 15 h. Der eingearbeitete Richter bleibt in seinem Zimmer, weil er auf unseren Verteidiger beleidigt ist. Ein Drei-Richer-Senat tritt auf. Der Oberrichter erscheint mit Pistole im Pistolengurt
Nach fensterlosen Zellen, Dolmetschverweigerung und einer Lösegeldzahlung von 55000 Schilling (ca. 4000 Euro), dann die Ausreiseerlaubnis:
Schliesslich das Urteil: Verurteilung und Revisionsverhandlung in ein paar Monaten… Aber die Angeklagte darf nach Hause fliegen, wenn die Angehörigen bis 17 h umgerechnet 55.000 Schilling “Kaution” in Lira-Cash an der Gerichtskassa deponieren.
Was wir Angehörigen auch machen. Trotzdem muss meine Verlobte noch eine Nacht in “Schubhaft” verbringen (in einer Zelle mit 7 russischen Prostituierten). Am Christtag wird sie dann mit Polizeieskorte bis ins Flugzeug hinein eskortiert (Gott sei dank kriegten wir noch Plätze).
Bis heute wissen wir nichts von der Revisionsverhandlung. Und ein schriftliches Urteil haben wir trotz Urgenz bis heute nicht gesehen. Wäre ja noch schöner, dass wir unsere “Kaution” (eigentlich: Lösegeld) zurückverlangen würden…
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