Im Zuge eines Schriftwechsels per email mit einem Leser, hat mir jener seine Erlebnisse im Gottesstaat Saudi-Arabien geschildert. N. hat 2 Jahre für einen internationalen Konzern in Saudi-Arabien gearbeitet und dabei Apartheid auf mehreren Ebenen festgestellt. Restaurants sind in Single- und Familienbereiche unterteilt, Ausländer müssen in separierten Ghettos leben und eine der wenigen Unterhaltungsmöglichkeiten sind die wöchentlichen öffentlichen Hinrichtungen nach dem Freitagsgebet. Es gibt asiatische Sklaven und eine Doppelmoral, die abseits der Heimat ausgelebt wird.
Für all jene, die sich überlegen, mal im arabischen Raum zu arbeiten:
Ich habe für meine Firma 2 Jahre in Riad gelebt und gearbeitet. Als Ausländer kommt man da in ein Compound. Das ist so eine Art Gefängnis nur mit den Unterschieden, daß es drinnen schöner ist als draußenund die Mauern sind dazu da, die Leute rauszuhalten, und nicht umgekehrt.
Im Compound sind die Regeln dann etwas lockerer. Geschäfte und Restaurants bleiben auch in den Gebetszeiten geöffnet und Frauen können sich frei bewegen. Ansonsten ist das Leben recht trist. Zum einen gibt es kaum ein Unterhaltungsangebot, zum anderen habe ich mich außerhalb der schützenden Mauern auch nicht wirklich wohl gefühlt. Ich hatte immer das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen, da man ja auch nie weiß, wie die Leute auf der Straße Ausländern gegenüber eingestellt sind. Offene Feindseligkeit ist mir allerdings nie begegnet. Eher schon eine gewisse Arroganz. Als Europäer mit einer doch recht großen Firma im Rücken war ich schon recht sicher. Ich möchte allerdings nicht in der Haut eines der asiatischen Gastarbeiters (oder soll ich sie Sklaven nennen) stecken. Und schon garnicht in der einer Frau, die als Hausmädchen oder Kindermädchen dort arbeitet. Die sind ihrem ‘Sponsor’ schon sehr ausgeliefert. Viele Leute (auch Saudis) fahren bzw. fliegen am Wochenende nach Dubai oder nach Bahrain. Dubai ist der größte Puff im mittleren Osten und von Thailand kaum noch zu unterscheiden. außer daß die Mädchen aus Russland und China importiert sind. In Bahrain geht die einheimische Bevölkerung am Wochenende nur sehr selten aus, weil es von Saudis nur so wimmelt und die als unangenehme Leute bekannt sind. Das habe ich im Iran dann auch mal erleben dürfen, wo in meinem Hotel zwei saudische Familien die halbe Nacht auf dem Flur Fußball gespielt haben.
Das einzige, was man in Saudi machen kann, ist Shopping und vielleicht mal irgendwo essen gehen. Die Restaurants sind natürlich in zwei Teile geteilt. Family section und Single section. Single bedeutet natürlich immer nur Single Männer. Die jungen Leute versuchen dann immer, einen Platz nahe an der Family section zu bekommen, um vielleicht mal per Bluetooth Handy kontakt zu einem Mädchen aufnehmen zu können. Sehr albern. Interessant ist auch die Heiratsprozedur. Wenn sich ein junger Mensch entschließt, zu heiraten, schickt er seine Mutter los, die dann passende Kandidaten/Kandidatinnen aussucht. je nach Familie wird selbstverständlich nur innerhalb des eigenen Stammes geheiratet. Dann werden Treffen der Familien organisiert, wobei der Mann die Frau zum ersten mal trifft. Das wird dann bei Gefallen mehrfach wiederholt und dann wird geheiratet. Inwieweit da Druck ausgeübt wird, kann ich nicht sagen. Da das für einen Saudi die einzige legale Möglichkeit ist, mit einer Frau zusammenzukommen, wird natürlich recht früh geheiratet. So ab 20 fangen die Eltern normalerweise an, ihre Sprößlinge zu nerven, sie sollen doch so langsam mal heiraten. Die Leute bleiben ja auch solange bei ihren Eltern wohnen, bis sie heiraten. Singlehaushalte gibt es nicht. Bei einer Scheidung geht die Frau zurück zu ihrer Familie. Was anderes bleibt ihr nicht übrig. Einen anderen Mann wird sie auch nicht finden, weil ja niemand eine ‘gebrauchte’ Frau haben will. Interessant fand ich auch, daß Männer ihre schwangeren Frauen bis zur Entbindung zurück zu ihren Eltern schickt. Dem Mann geht das ständige gejammere anscheinend zu sehr auf die Nerven, und im fortgeschrittenen Stadium tut sich die Frau wahrscheinlich auch schwer ben den Haushalts- und den ehelichen Pflichten. Dann hat der Mann also ohnehin keine Verwendung für sie. Offiziell heißt es natürlich, die Mutter kann sich ja besser um ihre Tochter kümmern als ihr Mann, der ja den ganzen Tag nicht zuhause ist.Tja, was soll ich noch sagen? Wie gesagt, ich war 2 Jahre dort und hab ganz gut verdient in der Zeit. Mittlerweile schäme ich mich fast schon, weil ich ja durch meine Arbeit das System dort unterstützt habe.
Und bevor du fragst, bei einer Hinrichtung bin ich nicht gewesen. Das muß ich mir echt nicht antun. Jeden Freitag nach dem Gebet an einer Moschee im alten Stadtkern von Riad findet das statt. 2 Engländer haben sich das mehr oder weniger regelmäßig angeschaut. Ich heb’ mir das auf für den Tag, wenn hier die Köpfe rollen. Ist nur die Frage, wessen Köpfe.
4 Antworten bis jetzt ↓
1 Stefan Niggemeyer // Apr 24, 2008 at 17:28
Gar nicht wird gar nicht zusammen geschrieben!
2 Stefan Niggemeyer // Apr 24, 2008 at 17:54
Rechtschreipsbezialist ich bin
3 admin // Apr 25, 2008 at 00:45
na, wenn das die einzige kritik der gutmenschenfraktion ist… herr niggemeier ist ja spezialist dabei, anderen zu sagen, was sie falsch machen. das ist immer einfacher, als selbst etwas auf die beine zu stellen
4 tintifax // Apr 26, 2008 at 17:35
Dabei kann der Rechtschreibspezialist nicht einmal seinen eigenen Namen richtig schreiben: Niggermaier
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